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Die Christusgemeinde

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts zog die aufstrebende Hauptstadt Berlin immer mehr Menschen an. Menschen aus allen Teilen Europas kamen nach Berlin in der Hoffnung, sich eine neue Existenz aufbauen zu können. Auch viele Juden aus Osteuropa, die den dortigen Ghettos entkommen wollten, zog es nach Berlin. Viele von ihnen wurden vom "Verein zur Unterstützung hülfsbedürftiger Christen aus Israel" aufgenommen, einer Gründung evangelischer Christen, darunter eine erhebliche Zahl getaufter Juden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, Missionsarbeit unter den Juden zu leisten. Zentrale Organisation war die "Missionsgesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden", eine europäische Organisation mit Hauptsitz in London.

1859 wurde in Berlin der Plan gefasst, "armen und verlassenen Christen aus Israel" ein Missionshaus zu bauen, ihnen Asyl und Herberge zu verschaffen. Die dafür gestartete Spendenaktion zeigte einen derart großen Erfolg, dass man zu dem Entschluss kam, eine Kirche zu bauen. 1863/64 errichtete Oberbaurat Friedrich Adler an der Anhaltschen Communikation 23 (später Königgrätzer Straße, heute Stresemannstraße) für den Englischen Missionsverein die Christuskirche, einen rechteckigen Saalbau in neogotischem Stil mit verziertem Giebel, der von einem Glockentürmchen gekrönt und mit kleinem Portalvorbau versehen war. Ein blühendes Gemeindeleben begann, das aber auch sehr bald zu Spannungen führte. Da die Christuskirche als Missionskirche nicht zur preußischen Landeskirche gehörte, grenzte sie sich auch nicht von den benachbarten Gemeinden ab. Da sie die gleiche Form des Gottesdienste praktizierte, kamen viele Besucher auch aus anderen Gemeinden und mit ihnen deren Kollekten. Außerdem hatte der Prediger Paulus Cassel im Berliner Antisemitismus-Streit eindeutig gegen die Antisemiten um den Hofprediger Adolf Stoecker und den Historiker Heinrich von Treitschke bezogen und sich damit einflussreiche Feinde geschaffen. Am 2. April 1891 wurde die Christuskirche geschlossen. Nach intensiven Verhandlungen gelang es der preußischen Landeskirche schließlich, die Christuskirche von der Londoner Missionsgesellschaft zu erwerben. Am 6. Januar 1894 erfolgte die Wiedereröffnung als Zentrum einer neu geschaffenen Ortsgemeinde, der Christusgemeinde. Am 11.12.1943 wurde die Kirche zerstört und nicht wieder aufgebaut. Bis zur Einweihung der neuen Christuskirche in der Hornstraße wurden die Gottesdienste im Gemeindehaus in der Wartenburgstraße abgehalten. 1963/64 entstanden nach Entwürfen von Klaus H. Ernst das Gemeindezentrum und die Kirche an der Hornstraße mit ihren von Claus Peter Koch in farbigem Glas gestalteten Betonrasterwänden. Heute ist die Christuskirche das Zentrum der 1998 durch Fusion mit der Jesusgemeinde entstandenen Evangelischen Jesus Christus- Kirchengemeinde.

Die Jesusgemeinde

Die zweite Wurzel unserer Gemeinde, die Jesusgemeinde, hatte ihren Ursprung in dem am 13.12.1867 gegründeten "Verein der Freunde Zions ", für den am 31. Mai 1868 eine Kapelle in der Alexandrinenstraße 11 eingeweiht wurde. 1871 erwuchs aus diesem Verein die "Freie Evangelisch-Lutherische Jesus-Gemeinde", deren Gründer, Georg Wilhelm Schulze, eine von den konsistorialen Vorschriften der Landeskirche unabhängige Gemeinde schaffen wollte. Kirchenrechtlich war sie eine freie Personalgemeinde, zu der nur zugehörigkeitswillige Gemeindeglieder gehörten und die sich ausschließlich aus den Beiträgen der Mitglieder finanzierte. 1876 erbaute sich die Jesusgemeinde in der Wassertorstraße 37a eine neue Kirche, einen schlichten Saalbau aus Backstein mit kleinem Turm. Auch diese Kirche wurde ein Opfer des Zweiten Weltkriegs und wurde am 3. Februar 1945 zerstört.. Bis zur Einweihung ihrer neuen Kirche in der Kreuzbergstraße 47 war die Jesusgemeinde Gast der Berliner Stadtmission. 1960/61 wurde die neue Jesuskirche  nach Entwürfen von Harald Franke erbaut und am 9.7.1961 geweiht. Bis zu ihrer Fusion mit der Christusgemeinde 1998 blieb die Jesusgemeinde eine finanziell selbständige Gemeinde der evangelischen Landeskirche.

Die Christuskirche in der Literatur

"Ich kann doch nicht den ganzen Tag am Fenster sitzen und nach der Christuskirche hin übersehen. Sonntags, beim Abendgottesdienst, wenn die Fenster beleuchtet sind, sehe ich ja immer hinüber; aber es hilft mir auch nichts, mir wird dann immer noch schwerer ums Herz.«

»Ja, gnädige Frau, dann sollten Sie mal hineingehen. Einmal waren Sie ja schon drüben.«

»O schon öfters. Aber ich habe nicht viel davon gehabt. Er predigt ganz gut und ist ein sehr kluger Mann, und ich wäre froh, wenn ich das Hundertste davon wüsste. Aber es ist doch alles bloß, wie wenn ich ein Buch lese; und wenn er dann so laut spricht und herumficht und seine schwarzen Locken schüttelt, dann bin ich aus meiner Andacht heraus.«

»Heraus?«

Effi lachte. »Du meinst, ich war noch gar nicht drin. Und es wird wohl so sein. Aber an wem liegt das? Das liegt doch nicht an mir. Er spricht immer soviel vom Alten Testament. Und wenn es auch ganz gut ist, es erbaut mich nicht. Überhaupt all das Zuhören; es ist nicht das Rechte.“

(Theodor Fontane, Effi Briest, 32. Kapitel)

Zum Schluß ein Literaturtipp mit drei Seiten über die leerstehende Kirche der ehemaligen Jesus-Gemeinde